Riesenlärm um 1 Uhr nachts – und keiner merkte es

Vielleicht lag es am strömenden Regen, vielleicht verfügen die Reinacher aber einfach über einen unbiegsamen Tiefschlaf. In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag lärmten mehrere Motorsägen in Bahnhofsnähe, weil zwei Bäume gefällt werden mussten. Geweckt wurde davon anscheinend niemand.

Best of rc. @ Wynentaler Blatt 2014 – Februar (5/5)

baumDas Vorhaben wurde allerdings mit Flugblättern in der näheren Umgebung zum Bahnhof Reinach angekündigt. Gut möglich, dass sich die Nachbarschaft mit genügend Oropax eingedeckt hatte, damit die persönliche Ruhe nicht gestört würde.Um Punkt 1 Uhr in der Nacht wurde es nämlich laut. Ein Dieselmotor setzte eine grosse Leuchte in Betrieb, die den Arbeitsbereich von Förstern und Bahnmitarbeitern erhellen sollte. Deren Ziel war es, eine grosse Birke (und nicht etwa eine Buche, wie letzteWoche irrtümlich gemeldet) nahe den Geleisen zu fällen, ehe die abbrechenden Äste die Fahrleitungen beschädigen könnten. Dazu wurde ein langer Kran eingesetzt, der auf dem Parkplatz auf der anderen Seite der Geleise abgestellt wurde.

Strom wurde ausgeschaltet

Die Schwierigkeit lag also darin, die Stück für Stück abgetrennten Baumteile über die Drähte der WSB zu hieven. Genau aus diesem Grund musste die Aktion mitten in der Nacht durchgeführt werden. Nachdem das letzte Trämmli um 0.48 Uhr im Bahnhof Menziken einfuhr, konnte die Stromleitung für diesen Abschnitt unterbrochen werden, «Es wäre viel zu gefährlich », sagte Ueli Wanderon, Leiter der Forstbetriebe aargauSüd, «diese Arbeiten während der Betriebszeit auszuführen. Es reicht schon, in die Nähe der Stromleitungen zu kommen, um einen Schlag zu riskieren».

Ein Strunk bleibt stehen

Per Funk verbunden, koordinierten der Kranführer und der Mann im Baum die Schritte, die auszuführen waren. Erschwerend kam der Regen dazu, der just um 1 Uhr einsetze und während der ganzen, fast zweistündigen Aktion von allen Beteiligten Durchhaltevermögen abverlangte. Zuschauer gab es nicht viele. Die unmittelbar betroffenen Baumbesitzerinnen liessen sich das Spektakel nicht entgehen, aber ansonsten blieben Fenster geschlossen und auch über Beschwerden bei der Polizei fehlt bis heute jede Meldung. «Wie alt er wohl ist?» wollten Baumbesitzerin Brigitte Amstutz und ihre Freundin Rita Boog über die alte Birke wissen, um welche sich zentimeterdicke Efeu-Äste schlängelten. Die Begutachtung durch den Förster brachte nicht nur das Alter von rund 70 Jahren zutage, sondern auch die Tatsache, dass der Baum langsam morsch wurde. Damit war auch klar, dass der Entscheid, den Baum zu fällen, sicher nicht verkehrt war. Immerhin, ein etwa zwei Meter hoher Strunk bleibt stehen. Weil die Arbeiter schon da waren, schnitten diese auch noch einen Bergahorn weg, den in ein paar Jahren das gleiche Schicksal ereilt hätte. Gegen 3 Uhr in der Früh war das Spektakel vorbei und die Nacht hatte ihre gewohnte Ruhe wieder zurück.

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Dieser Artikel erschien im Wynentaler Blatt Nr. 9/2014.
Texte aus der Zeitung. Sie haben den Nachteil, dass man die richtige Ausgabe gekauft haben muss, um sie (nach-)lesen zu können. Egal ob es der grösste Schrott war, oder ein Glanzlicht der Weltliteratur: Verpasst man die Zeitung, ist der Text für immer weg. Aus diesem Grund erscheinen im Goggiblog meine kleinen Perlen aus dem Wynentaler Blatt. Für die Ewigkeit konserviert, sozusagen.

 

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