Die anderen Kinder im Sandkasten

trump_just_hairEs war einmal ein blonder Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur. Der wollte unbedingt im Sandkasten mitspielen. Die anderen Kinder sagten: „Na gut, du darfst mitmachen, aber du musst dich an unsere Regeln halten.“

Der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur willigte ein, setzte sich in den Sand und wollte eine Sandburg bauen. „Halt!“ riefen die andren Kinder und erklärten dem blonden Jungen mit schütterem Haar und Fönfrisur, Burgen dürfe man nur bauen, wenn alle anderen Kinder einverstanden wären. Na gut, dachte sich der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur und schaufelte einen Graben, der zu einem Kanal wachsen sollte. „Halt, wir müssen alle einverstanden sein, sonst darfst du das nicht bauen“, hiess es wieder und auch den kleinen Berg und die Baustelle für den Bagger wollten die anderen Kinder nicht, wenn andere Kinder das doof finden könnten.

Nach ein paar Tagen – die anderen Kinder berieten gerade, ob der Durchmesser der Sandkorne mit dem Klimawandel zu tun haben könnte – packte der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur einen Kessel, schüttete Sand rein und stellte eine prächtige Sandburg auf. Alle anderen Kinder rissen Mund und Augen auf und starrten sich abwechslungsweise ungläubig an. Der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur packte den Kessel erneut, schüttete neuen Sand rein und stellte eine weitere Burg auf. Und noch eine. Und noch eine. Zuletzt zeichnete er einen Wasserlauf um die eine Burg und stellte seinen Bagger auf eine der anderen Burgen.

Als die anderen Kinder sich vom Schock erholt hatten, falteten sie ihre Hände zu einer Raute und beriefen eine Krisensitzung ein. Sie beauftragten Medien und Menschen, jedes einzelne Sandkorn das der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur zu einer Burg geformt hatte auseinander zu pflücken. Tagelang beobachtete die geschlossene Weltöffentlichkeit den blonden Jungen mit schütterem Haar und Fönfrisur und reagierten auf der Stelle, wenn der Gesichtszug nur eine Sekunde lang unfreundlich war („Blonder Junge verbreitet miese Stimmung im Sandkasten), zwei Sekunden („Blonder Junge droht mit Gewalt“), oder gar drei Sekunden (Provoziert Donald einen Krieg?“).

Die Weltöffentlichkeit – die mehrheitlich aus Twitter-Usern besteht die sich in 140 Zeichen bestimmt nicht besser ausdrücken kann als wenn ihr ein ganzer Satz zur Verfügung stünde – versammelte sich zum kollektiven Bashing, lachte sich einen Schranz in den Bauch, weil der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur weniger Zuschauer hatte als der Schwarzhaarige von früher. Sie zeigten mit ihren Fingern auf die Fehler des blonden Jungen mit schütterem Haar, twitterten und lachten, weil im Internet haben sie ja gesagt, dass die anderen Kinder recht haben und nicht der blonde Junge mit schütterem Haar und Fönfrisur.

Und während die Weltöffentlichkeit auf den Sandkasten zeigte, lachte und twitterte und mit dem Finger zeigend twitternd lachte, baute der blonde Junge mit dem schütteren Haar und Fönfrisur einfach noch eine Sandburg und noch eine Sandburg und noch eine Sandburg und noch eine Sandburg und noch eine Sandburg und noch eine Sandburg. Und so doof alle den blonden Jungen mit schütterem Haar und Fönfrisur fanden: Plötzlich hatte der ganz viele Sandburgen und die anderen Kinder noch nicht mal einen korrekt genormtes Sandkorn.

So etwas könnte in der Realität natürlich nie passieren. Und wenn doch, wüsste ich gar nicht, wer hier wen auslachen sollte.

Bildquelle: theoatmeal.com
Inspiriert durch einen sehr lesenswerten Text von Eric Gujer in der NZZ

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