Freud, Leid und unbesiegte Monster

Das vergangene Wochenende war sehr ereignisreich und für die Famiglia Conoci eines der schönsten überhaubt. Dabei lagen und vor allem liegen Hochs und Tiefs so nahe beieinander, dass dies an dieser Stelle zu einer psychoanalytischen Beleuchtung führt, wobei mir noch nicht klar ist, worauf ich mit diesem Artikel hinaus will.

Die Ereignisse per se wären jedes einzelne ja schon je einen Beitrag wert. Am Freitag reichte ein spontan eingelöster Gutschein zu einem Wett-Gewinn von 18 Franken. Später an diesem Tag entschied sich Famiglia Conoci, den Oltener Feierabendverkehr mittels Schleichweg über den Engelberg zu umfahren. Doch heraus kam eine Irrfahrt, die in einer Sackgasse endete. Auf dem Berg jedoch tauchten unvermittelt Freund Schämu und Freund Yogi auf und wir alle kamen in den Genuss eines Plauderstündchens, Goggi junior erteilte uns eine Lektion in Sachen Rittertum und das Glacé und die Aussicht von der Warteck-Ruine und dem Säli Schlössli erwiesen sich als perfekt.

Am Samstag dann, feierte Nonno Conoci seinen 78. Geburtstag, just an jenem Datum, an welchem seine Eltern Jahre zuvor, aber nicht im gliechen Jahr verstorben waren. Ebenfalls an diesem Samstag kassierte der FC Aarau eine seiner wohl bittersten Niederlagen, doch ereigneten sich nach Spielschluss Dinge, von denen Conoci Junior noch Wochen und Monate lang erzählen wird und seinen Papa unglaublich Stolz machen. Der Elfjährige fasste nach dem Spiel, trotz Niederlage, seinen ganzen Mut und stürmte das Spielfeld, um die Handschuhe seines Torhüter-Idols Joël Mall zu ergattern. Dieser winkte in der Enttäuschung der Niederlage ab, was den kleinen Mann in Tränen aufgelöst zu seinem Papa zurückkehren liess. Das Geschehene blieb nicht unbeobachtet und hier beginnt der Teil der mich gleichermassen Stolz auf meinen Sohn und meinen Club sein lässt. Captain Sandro Burki erkundigte sich beim jungen Fan und schenkte ihm kurzum sein Tricot. Assistenztrainer Manuel Klöckler hörte sich das Leid ebenfalls an und verschwand sodann in der Kabine. Einige Zeit später herrschte Unruhe in den Katakomben, denn alle suchten den kleinen grossen Fan. Manuel nahm Goggi Junior mit in die Kabine und holte den Torhüter unter der Dusche hervor. Dieser drückte seinem Fan gleich zwei Paar Handschuhe in die Finger, begleitet mit Worten, die unter den Beiden geblieben sind, die den kleinen Mann aber über alle vier Backen strahlend zurück kommen liessen. Sein Einsatz, sein Wille und sein Mut wurden belohnt.

Der Sonntag sollte uns allen noch einmal einen beschaulichen Tag bescheren, wobei der nicht übergewichtige Teil der Familie sich auf Rollschuhen ins Luzernische aufmachte. Der dabei entdeckte Tschuttiplatz sollte hiernach mitsamt Joël-Mall-Handschuhen ausprobiert werden, doch installierte sich die schweizweit einzige dunkelschwarze Regenwolke, genau über dem Fussballfeld und entleerte sich dort für den Rest des Abends.

Freud und Leid sind sehr oft nahe beisammen. Nur zu gut weiss ich das aus meinem nun doch schon 43 Jahre dauernden Leben. Das oben beschriebene Wochenende war in seiner Gesamtheit eines der schönsten in diesen vielen Jahren. Und eben weil ich von meinem Leben inzwischen auch die bipolare Seite kenne, wusste ich, dass der Montag im genauen Gegenteil enden würde. Vermutlich will das Universum es so. Oder Gott. Mann ist sich da ja noch uneinig – nennen wir es der Einfachheit wegen mal „Krankheit“. Jedenfalls hätte ich die letzten 18 Franken auf dem Wettkonto darauf verwetten können, dass dem Höhepunkt der letzten Tage, heute der Tiefschlag folgen würde: unerledigte Telefonanrufe, vernachlässigte Korrespondenz, Aufträge die liegen bleiben und unbeabsichtigte Verspätungen führten letztlich dazu, dass am selben Abend das wichtige Medienbankett schlicht vergessen blieb. Die Aufregung darüber löste bei uns Erwachsenen (Goggi Junior war ja inzwischen wieder bei seiner Mutter in Suhr) Ängste aus, die einmal losgetreten, wie eine Lawine sich unaufhaltsam in ein bösartiges Monster verwandeln. Plötzlich waren sie wieder da, die dunklen Gestalten, mit den  scharfen Klauen, die am Hinterkopf lauernd, gute Gelegenheiten abwarten. Ich hatte die Uhr genau im Blickfeld. 23:50 Uhr. Der „Tag danach“ schien schon fast überstanden, doch nahmen die Gestalten ihre letzte Gelegenheit wahr. Sie hatten ihre Trichter dabei und entleerten ihre unnützen Gedanken in mein Bewustsein. „was du tust ist Nichts, was du willst ist Nichts, was du bist ist Nichts“, sagten sie. Und: „stell‘ dich weiter hinten an, geh alt und übergewichtig sein, streiche deine Wünsche, funktioniere“.

Kopfschmerzen, Zittern, Tränen. Gegenseitiges Anstecken. Eine wirre Wanderung durch unkontrollierbare Gefühle, die über Jahre getreten, missverstanden, oder mit Absicht ausgenutzt wurden. Die Gestalten drohten Überhand zu gewinnen, rieben sich ihre dreckigen Hände, lachten höhnisch und wackelten mit ihren Trichtern. Ungeachtet der grossen Töne, welche die Gestalten spuckten, bot mir Misses Sunshine ihre Hand. Sie kann mich nicht tragen, doch das muss sie auch nicht. Genau so, wie ich es auch nicht kann. Auch ich bot ihr deshalb meine Hand, um mit ihr den Weg zu finden. 01:32 Uhr. Den beiden verlorenen Seelen gelang es die Ängste vorläufig zu vertreiben. Zusammen. Ich danke dir aus ganzem Herzen, Misses Sunshine!

Freud und Leid so nahe beisammen. Ohne das eine bliebe das andere unbemerkt. Ein bisschen weniger dürften die Ausschläge nach unten ruhig sein – aber ich nehme sie in Kauf, wenn ich dadurch die guten Momente behalten darf. Ich schäme mich nicht mehr, zu meiner Krankheit zu stehen. Mahnenden Fingern, solche Eingeständnisse würden bei der Stellensuche nicht hilfreich sein, schliesslich google heute jeder Arbeitgeber, entgegne ich: die Krankheit ist ein Teil von mir. Ein Teil von uns. Wir haben sie uns nicht ausgesucht und leider lässt sich die Behinderung auch nicht durch abgeschnittene Beine darstellen. Aber sie ist da.

03:50 Uhr. Für „heute“ ist der Sturm vorüber, die Monster zurück in ihrem gottverlassenen Tal der Finsternis. Auf ein ander Mal. Bis dahin freue ich mich auf neue gute Momente mit Misses Sunshine und Goggi Junior, im Wissen, dass die Monster wiederkommen können. Vielleicht hilft dieses Bewustsein, sie zu besiegen. Wahrscheinlich nicht. Aber wir kämpfen weiter, denn für meinen Teil gibt es zwei gute Gründe, und die tragen beide meinen Namen.

Dicke Post von der Post

Wer bei der Schweizerischen Post eine Vollmacht hinterlegen will, muss dafür künftig tief in die Tasche greifen: mindestens 24 Franken – pro Jahr. Dies berichtete der Kassensturz vor einer Woche. Heute informierte die Post in einem Brief und legt gleich noch einen drauf: Nicht nur neue Vollmachten sind gebührenpflichtig, sondern auch bisherige kosten etwas. Wer es zudem verpasst die Vollmacht zu löschen, muss zahlen. Doch es gibt einen einfachen Trick.

Die Schweizerische Post. Ehemaliger Dienstleister und heutige Gebührenmaschine, erzielt regelmässig Jahresgewinne die an der Milliardengrenze kratzen. Dennoch werden immer wieder Gebühren erhöht. So kostet heute fast jede Leistung bis zu 100% mehr, als noch vor zehn Jahren – falls sie nicht abgeschafft wurde. Nur der A-Post Brief – über den die wohl emotionsreichsten Diskussionen geführt wurden – verharrt bei einem Franken. Dass Gebühren erhoben werden, ohne dass der Kunde jemals etwas kostenpflichtiges bestellt hat, ist aber neu. „Ohne Ihre Rückmeldung erhalten Sie für Ihre Vollmacht eine Rechnung von 24 Franken“ schreibt die Post in einem Brief an alle bisherigen Vollmacht-Inhaber. Das Problem: Viele Leute halten die bunte Broschüre für Werbung und werfen den Brief einfach weg.

Vollmacht bei der Post kann umgangen werden

Wer also nicht aufpasst, schuldet der Post plötzlich Geld. Wem die 24 Franken pro Jahr zu viel sind, kann sich eines einfachen Tricks behelfen: Eine Vollmacht kann man nämlich auch selber ausstellen. Eine einfache Aufstellung mit ausgeschriebenen Namen, vollständiger Adresse und Unterschrift des Bevollmächtigten reicht. Das unterschriebene Papier muss durch einen Notar beglaubigt werden, was in den meisten Fällen 20 Franken kostet – einmalig. Die auf diese Weise angefertigten Vollmachten sind erst noch flexibler, als die jährlich kostenpflichtige Variante der Post. Zu jedem Namen kann genau bestimmt werden, wofür die Vollmacht gilt und zwar nicht nur bei der Post. So kann man jemandem erlauben, in seinem Namen eingeschriebene Sendungen bei der Post abzuholen, oder Halbtaxabos am SBB-Schalter zu kaufen. Die Post hat bereits bestätigt, dass diese Art von Vollmachten akzeptiert werden. Diese bleiben jedoch nicht bei der Post, sondern müssen bei Abholung zusammen mit einem Identitätsnachweis mitgebracht werden.

Die Post erklärt die aktuelle Gebührenerhöhung übrigens mit dem gestiegenen Kostenaufwand der Leistungen. Nicht einmal der Preisüberwacher sah sich in der Lage, sich für die Konsumenten zu wehren. Im Kassensturz sagt Stefan Meierhans, wenn Kosten nicht gedeckt seien, könne niemand reklamieren. Naja, bei einer Bude die jährlich eine Milliarde Gewinn erzieht, können die Kosten wirklich unmöglich gedeckt sein.

 

Bild: Sinnbildlicher Prospekt: Die Post langt bei den Gebühren kräftig zu.

Veröffentlicht unter Alltag

Die Schlammschlacht um SVP-Kandidaten

Endlich! Endlich können wir der SVP mal wieder ans Bein pinkeln. All die Blocher-Jünger und Geldsäcke. Geschieht ihnen ganz Recht. So ungefähr kommt mir der Kleinkrieg im Aargauer Bezirk Kulm vor, wenn ich mir die Berichte der lokalen Presse zu Gemüte ziehe. Da wird ohne Rücksicht auf Verluste getreten und gehauen, geschubst und gelogen, nur damit man es den politischen Gegnern so richtig geben kann. Ein trauriges Spiel.

Angefangen hat es tatsächlich mit einem Schubser. Oder auch nicht – darüber lässt uns SVP-Grossrat Beat Leuenberger etwas im Dunkeln. Seine Schwester jedenfalls zeigte ihn deswegen an, worauf sich Parteikollegen ihre Meinung bildeten und zu Leuenberger hielten oder eben nicht. Als Grossrat wollte man ihn nicht mehr aufstellen, Leuenberger fühlte sich gemobbt und trat dieser Tage aus der SVP aus. Soweit so gut.

Mehrere Verletzte

Wäre das nun folgende Spielchen ein Verkehrsunfall, man müsste von grossem Blechschaden mit mehreren Verletzten sprechen. Leuenberger trat nämlich nicht einfach so aus, sondern mit lautem Brimborium und exklusiver Ankündigung auf dem lokalen TV-Sender. Auf diese reagierten Parteikollegen ebenfalls mit Austritten und wer nicht austrat, wurde namentlich erwähnt. Wie durch magische Hand geleitet, stiess der eingangs erwähnte Lokalsender auf die trübe Vergangenheit jener, die an Stelle Leuenbergers auf den Wahlzetteln erscheinen sollten. Ein Schelm, der hier Zusammenhänge erkennen will.

Daniel Bürge ist einer dieser Kandidaten. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er zu schnell durchs Dorf fuhr und in den letzten zehn Jahren mit seinen Unternehmungen finanziell unten durch musste. Er hat niemanden beschissen – „gescheitert“ wird wohl der passendere Ausdruck sein. Obwohl ich Daniel Bürge gut kenne, will ich diesen Artikel nicht als Lobhuldigung verstanden haben. Zu schnell fahren ist blöd. Firmen an die Wand fahren ebenfalls. Was in den letzten Tagen aber medial durch den Aargau raste, zeugt auch nicht von besonders viel Anstand. In Leserkommentaren wurde fast jeder SVP-Politiker angegriffen, Bürge erzählt, er und seine Familie seien telefonisch und per SMS aufs Übelste beleidigt worden. anderen dürfte es nicht besser ergangen sein. Plötzlich steht die ganze Partei im Kreuzfeuer, Menschen die sich politisch engagieren wollen, stehen vor dem Nervenzusammenbruch.

Bild: Wurde unfair angegangen: Daniel Bürge

Boulevardesk

Das ist nicht in Ordnung. Genau so wie ich mich als FC Aarau-Fan nicht über Konkurse von Xamax und Servette erfreuen kann, sollten sich Politiker gefälligst daran halten, ihre politischen Dinger nicht mit solchen Tricks, sondern mit fairen Mitteln durchzubringen. Egal ob parteiintern oder überparteilich. Ich bin notabene nicht SVP-Wähler! Schaden, nehmen mit solchen Schlammschlachten aber auch nicht einzelne Parteien, sondern echte Menschen mit Familien und die Politik im Allgemeinen. Heute schon gehen noch ein knappes Drittel der Stimmberechtigten an die Urne und die Vermutung liegt nahe, dies passiere nicht wegen langweiliger Themen, sondern wegen dem Kindergarten wie man ihn dieser Tage im Bezirk Kulm erlebt hat.

Fazit: Jolanda Fretz-Leibundgut, Vorstandsmitglied der SVP Schöftland sagte gegenüber der Aargauer Zeitung: «Was hier gegen Beat Leuenberger veranstaltet wird, ist Mobbing». Mag stimmen. Wie aber von allen Seiten zurückgeschossen wird, ist mindestens ebenso blamabel. Liebe Politiker und liebe nicht ganz unschuldige Presse! Beschäftigt euch mal mit Themen, die mir als Bürger etwas nützen. Stellt euch in den Dienst derer, die euch beachten. Nützt eure Macht, um zu bewegen, nicht um zu zerstören. Bis es soweit ist, könnt ihr euch einfach mal schämen.

Ein Einkommen fürs Auskommen

Am 21. April 2012 beginnt offiziell die Unterschriftensammlung für die Eidgenössische Volksinitiative „für ein bedingungsloses Grundeinkommen“. Die Initiative will, dass der Bundesrat der ganzen Bevölkerung ein Mindesteinkommen garantiert, egal ob die Person eine Anstellung hat, oder „nur zu Hause den Haushalt macht. Spinnerei oder überfällige Massnahme?

Die Kassen der öffentlichen Sozialeinrichtungen sind leer und die obligatorischen Lohnabzüge für Altersvorsorge (AHV), Invalidität (IV) und Arbeitslosigkeit (ALV) müssen angehoben werden. Gleichzeitig steigt das Renteneintrittsalter und IV-Leistungen werden massiv gekürzt. Ganz zu schweigen von der ALV, die Kürzungen vornimmt, wenn ein ehemaliger Pöstler sich nicht als Bauarbeiter bewerben will. Von einem Sozialausbau kann in der Schweiz nun wirklich keine Rede mehr sein. Macht es da Sinn ein Gesetz zu schaffen, das der ganzen Bevölkerung ein Grundeinkommen garantiert?

„Ja“ sagen die Unterschriftensammler der Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. „Lohnabzüge werden heute auf Einkommen bis 120’000 Franken pro Jahr fällig. Für Beträge die darüber liegen, sind keine Pflichtabgaben für AHV, IV, EO und Unfallversicherung mehr zu bezahlen.“ wird argumentiert. Ungerecht daran sei, dass jene, welche die Kassen füllen könnten, dies nicht machen. Sprich: würden Lohnabzüge auch auf grosse Einkommen über 120’000 Franken  gefordert, verfügten nicht nur die bestehenden Sozialversicherungen über genug Geld – es könnte jedem Einwohner der Schweiz ein Grundeinkommen garantiert werden, mit welchem sich Miete und Krankenkasse bezahlen liessen – Ausgaben, die fast die Hälfte eines kleinen Einkommens auffressen können.

Der Unterschriftsbogen wird ausgefüllt, so viel ist klar. Und sei es nur, damit die Diskussion zum Thema noch ein Weilchen weitergeführt wird. Es ist inakzeptabel, dass man von der Schweiz behauptet, es sei ein reiches Land. Über 2 Millionen erwachsene Menschen beziehen in irgend einer Form Sozialleistungen. Solche Gelder sind nicht geschenkt. Wer auf Sozialhilfe angewiesen ist, verschuldet sich bei der Gemeinde, die das Geld jederzeit zurückfordern kann. Werden Alimente nicht bezahlt, schiesst diese die Frauenzentrale den Müttern zwar vor – der Vater wird aber umgehend betrieben… also ob es ihm leichter fällt das Geld auf diese Weise zu bezahlen.

In der Schweiz grassiert eine heimliche Armut – dessen müssen wir uns langsam bewusst werden. Das bedingungslose Grundeinkommen könnte vielen Menschen helfen, wenigstens die obligatorischen Abgaben zu bezahlen. Und noch einmal: wenigstens die Diskussion darüber muss geführt werden, damit der Irrglaube, wir lebten in einem reichen Land, endlich mal hinterfragt wird. Nicht das Streben nach Wachstum sollte dabei im Zentrum stehen, sondern der Mensch.

http://www.grundeinkommen.ch/
http://www.bedingungslos.ch/
http://bien-ch.ch/de
Den Unterschriftsbogen gibt’s hier: PDF

Preisvergleich: 6’000 Franken sparen

Die Schweiz ist nicht reich, schon gar nicht die Bevölkerung – auch wenn Wirtschaftsverbände und Grossverteiler das behaupten. Aus diesem Grund müssen wir sparen wo’s nur geht. Dass es sich sogar für Innerschweizer lohnt beim nördlichen Nachbarn einkaufen zu gehen, beweist unser Kassenzettel: bis 6’000 Franken pro Jahr liegen drin.

Ich frage mich gerade: was überwacht eigentlich ein Preisüberwacher? Im Kassensturz vom vergangenen Dienstag äusserte sich Stefan Meierhans zu den massiven Preiserhöhungen bei der Schweizerischen Post. Sein volkswirtschaftliches Urteil: „Da kann man nichts machen“. Meierhans begründet seine Haltung damit, die Post argumentiere mit einer Kostenunterdeckung. Das bedeute, die Erhöhung sei gerechtfertigt. Basta.

Im Falle der Post kann man ganz einfach sparen und auf deren Dienstleistungen verzichten. Bei Ferienabwesenheiten einfach mal wieder die gute alte Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen. Noch einfacher geht Sparen beim Einkaufen. Schliesslich sind wir nicht dem Monopol eines Einzelnen ausgesetzt und können zum Beispiel in Deutschland einkaufen gehen. Rechts exklusiv der letzte Kassenzettel von bei uns zu Hause, wie ihn die Kasse im Kaufland Rheinfelden (DE) ausgespuckt hat. Und dazu die Preise, wie sie in der Schweiz ausgesehen hätten.

37 Artikel des täglichen Bedarfs: von der Pizza bis zum Ovo-Pulver ist alles dabei. Von jedem Artikel wurde nur eine Einheit eingekauft – keine Aktionen, ohne Berücksichtigung von Punkteprogrammen. Der Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland ist unglaublich gross: Kostete der Einkaufswagen im Kaufland Rheinfelden rund 100 Franken, hätten für den genau gleichen Warenkorb in der Schweiz rund 216 Franken bezahlt werden sollen.

Die Tabelle zeigt in der linken Spalte die bereits in Schweizer Franken umgerechneten (1 Euro = CHF 1.21)  und von der Mehrwertsteuer (7-19%) befreiten Preise. Bis zu einem Einkaufswert von 300 Franken, darf diese nämlich zurückgefordert werden, sofern man einen Wohnsitz in der Schweiz nachweisen kann. Alleine mit diesen netto zu bezahlenden Preisen bezahlt man in Deutschland 116 Franken oder 55% weniger gegenüber den Preisen in der Schweiz. Selbst wenn Nebenkosten wie Anfahrtsweg (ab Zofingen) und Parkplatzkosten berücksichtigt werden, gibt man mit dem Gang nach Deutschland deutlich weniger Geld aus: nämlich 79 Franken oder 36% weniger. Der Weg von Zofingen nach Rheinfelden beträgt rund 50 Kilometer, für den Einkauf in der Schweiz wurde ein Weg von 10 km angenommen.

Der Faktor Zeit wird durch diese Berechnung nur ungenügend berücksichtigt. Für die Strecke Zofingen -Rheinfelden und zurück müssen gut 1,5 Stunden eingeplant werden. Wer das als kleiner Ausflug ansieht, wird sich aber uneingeschränkt über das gesparte Geld freuen können. Denn wer von jedem Artikel 2 Einheiten kauft und alle zwei Wochen zum Einkaufen nach Deutschland fährt, spart über ein Jahr gerechnet mindestens 3’900 Franken. Wer grenznah wohnt, sogar bis 6’000 Franken.

Die vollständige Berechnung ist hier zu finden (Excel-Tabelle)

 

 

Liebe Wirtschaft

Der Schweizerische Gewerkschaftsverband (SGV) gibt 250’000 Franken aus, um Herr und Frau Schweizer davon abzubringen, dauernd in Deutschland einkaufen zu gehen. Denn wer in der Schweiz einkaufe, leiste einen wichtigen Beitrag für unser Land – und zwar nicht nur für die Wirtschaft. Mach‘ ich sofort. Ich warte nur noch schnell ab, welcher Beitrag die Schweizer Wirtschaft für mich zu leisten gedenkt.

Wie wär’s zum Beispiel, wenn die patriotische Wirtschaft in grenznahen Gebieten gänzlich auf ausländische Mitarbeitende verzichten würde. In Basler Verkaufsläden und Aargauer Krankenhäusern zum Beispiel: lauter Deutsche. Ein weiterer Schritt wäre, den Angestellten der genannten Branchen in der ganzen Schweiz einen ordentlichen Lohn zu zahlen. 3’200 Franken sind zu wenig. Auch wenn dafür nur Gestelle eingeräumt werden müssen – Krankenkasse, Versicherungen und Miete kosten die Angestellten deshalb ja nicht weniger.

Aber auch bei besser bezahlten Jobs macht es sich die Wirtschaft selber schwer: statt eine aufwändige Selektion zu betreiben, verlässt man sich hierzulande auf Jugend und Diplome. Was habe ich Bewerbungsdossiers zurückgeschickt bekommen, nur weil ich 40 bin oder der geforderte ECDL-Abschluss in Office nicht beigelegt war. Dabei klatsche ich jedem 20-jährigen Diplominhaber ein fertiges Zeitungslayout mit Datenbankanbindung um die Ohren, noch bevor dieser die passende Schriftgrösse eingestellt hat.

5 Milliarden Franken geben Schweizerinnen und Schweizer im grenznahen Ausland pro Jahr aus. Das sei schlimm für die Wirtschaft, sagt die Wirtschaft. Doch die Realität sieht anders aus: Geschiedene Väter, alleinstehende Mütter, Verkäuferinnen am Limit, Angestellte mit Burnouts. Was statistisch keine Wirtschaft wahrhaben, und keine Arbeitslosenzahl erfassen will: der notleidende Bevölkerungsteil ist nicht arbeitslos, sondern ausgesteuert, langzeitkrank oder arbeitsunfähig. Er ist mit 40 zu alt und zu teuer für den Arbeitsmarkt.

An anderer Stelle im Internet habe ich deshalb einen Job-Aufruf gestartet. Meine Botschaft an die Wirtschaft: gebt mir einen Job der Fähigkeiten entlöhnt und nicht Diplome. Lasst bei diesem Job mich und den Arbeitgeber gleichermassen glücklich werden. Und gebt mir vor allem einen Job bei dem ich genug verdiene um in der Schweiz leben zu können. Dann könnten wir nämlich auch darüber reden, ob ich künftig wieder in der Schweiz, statt in Deutschland einkaufen gehe.

Der ehrliche Chrampfer

Diplome, Diplome, Diplome

Während 20 Jahren solider Arbeitsweise bei der Post, habe ich mehr als einem Kadermenschen Excel erklärt oder dessen Korrespondenz geführt, weil er es nicht schaffte sich in einfachsten Worten auszudrücken. Und das trotz eidgenössisch diplomierter Auszeichnung und einer Wand voller Diplome.  In 4 weiteren Jahren der Selbstständigkeit als Texter, erschuf ich faszinierende Geschichten, gab perfekte Artikel ab und überzeugte mit soliden Arbeiten. Weil das ganze zum Überleben nicht reicht, muss eine Stelle her. Lieber gestern als heute. Blättere ich jedoch die Stelleninserate durch, begegne ich nicht nur in meinem Jargon, sondern in jedem beliebigen Gebiet immer dem gleichen Phänomen: gefordert werden nicht etwa Fähigkeiten, sondern Diplome.

Es ist unglaublich, wie viele Arten von schriftlich beglaubigten Qualifikationen es geben soll. Eine kaufmännische Ausbildung hier, Fremdsprachen da. Das ginge ja noch. An eine gewisse Verständnisgrenze stosse ich, wenn die Unterabteilung Soziales des Bundesamtes für Migration für ihre Kommunikationsstelle zwingend einen Hochschulabschluss fordert, mit Weiterbildung zum Mediator, dazu idealerweise mehrjährige Erfahrung im Kader eines Sozialamtes. Und das nur, um dem Vorsteher des neuen Amtes in einem akzeptablen Deutsch Bericht darüber zu erstatten, welche bemerkenswerten Vorkommnisse beim Abschub von Asylanten zu verzeichnen waren.

Was in diesem Fall bestimmt einen tiefgründigeren Sinn hat, ist ein Phänomen dem man beim Studium der Inserate immer wieder begegnet. Personalchefs haben einen Bürogummi-Job zu vergeben und gehen einfach mal davon aus, wenn die Stelle mit einem eidg. dipl. lic. besetzt wird, man auch die Qualität eines eidg. dipl. lic. bekommt. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, müsste man beim Bundesamt für Migration spätestens dann bemerkt haben, nachdem die Stelle innerhalb eines Jahres viermal besetzt und wieder ausgeschrieben werden musste.

Dabei ist klar: wo eidg. dipl. lic. drauf steht, ist nicht zwingend eidg. dipl. lic. drin. Ein Diplom sagt nichts darüber aus, ob der Inhaber sich in Sachen Sozialkompetenz, Engagement oder Identifizierung mit dem Arbeitgeber in die Unternehmensphilosophie wird einfügen können. Gewiss: das persönliche Gespräch vor der Anstellung kann darüber Aufschluss geben. Doch was, wenn sich all die sozialkompetenten, intellektuellen und eloquenten Menschen erst gar nicht bis zu diesem Gespräch durcharbeiten können, weil ihre Dossiers mangels Diplomen von Anfang an auf dem C-Haufen landen?

Das Bundesamt für Migration wird sein Inserat ein fünftes Mal schalten müssen, weil sich der vierte mit Diplomen dekorierte Auserwählte, ebenfalls als komplette Flasche herausgestellt hat. Hätten alle gescheiterten Stelleninhaber ehrlich darüber Auskunft erteilt, wer ihre Diplomarbeiten geschrieben haben und mit welcher Mogelei die genügende Note in Englisch erreicht wurde: wetten, da steckt immer ein ehrlicher Chrampfer dahinter ?

Ich plädiere für mehr Offenheit bei der Stellenvergabe. Jeder der sich auf eine Stelle bewirbt, hat seine ganz persönliche Vergangenheit. Er bringt seine Schäden aus dem Erlebten und die Qualifikation aus dem Geleisteten mit und dem ist mehr Bedeutung beizumessen, als irgendwelchen Diplomen. Es ist vollkommen klar, dass ein Programmierer über die entsprechenden Kenntnisse zu verfügen hat. Doch warum wird fähigen Menschen, die mit Engagement und Begeisterung an die Arbeit gehen, der Eintritt in die Arbeitswelt praktisch verunmöglicht? Warum kategorisieren Personalchefs die Kandidaten nach Diplomen, anstatt sich mit ihren tatsächlichen Fähigkeiten auseinanderzusetzen? Ist das wirklich der sicherere Weg, oder geht es vielen wie dem Migrationsamt?

Die Stellenbezeichnung beim Bundesamt ist übrigens frei erfunden, nicht aber die Anforderungen die gestellt wurden und die Wiederholungsrate, mit welcher das Inserat in 3-Monats-Abständen aufgetaucht ist. So oder so: falls dieser Vortrag dazu führt, dass sich meine Passion zum Schreiben in einen bezahlten Job ummünzen lässt, werde ich gerne darüber berichten. Die Chance ist leider eher klein, denn niemand will einen 43-jährigen Ex-Pöstler – der hat ja kaum Diplome an der Wand.

Grande SC Langenthal

Der Lausanne Hockey Club stand nach der Qualifikationsphase der National League B im Schweizer Eishockey als Aufstiegsfavorit schon so gut wie fest. Mit grossem Vorsprung an der Tabellenspitze, zweifelten sogar die möglichen Gegner der Ligaqualifikation Ambrì und Servette nicht daran, dass man mit den Waadtländern ein schwieriges Los zieht, wenn man die Playouts als Verlierer beenden würde. Der Verlierer der oberen Liga heisst HC Ambrì Piotta, der Meister der National League B kommt jedoch nicht aus Lausanne, sondern aus Langenthal.

In der 66-jährigen Vereinsgeschichte stellt der Gewinn der Meisterschüssel für den SCL den grössten Erfolg überhaupt dar. „Die Macht aus dem Oberaargau“, wie sich der SCL selber nennt, schreibt mit den bevorstehenden Ligaquali-Spielen gegen Ambrì Piotta Eishockey-Geschichte. Sollte dem kleinen SCL tatsächlich der Aufstieg gelingen, dürfte wohl das halbe Mittelland Kopf stehen. Dieses ist in Sachen Eishockey nämlich eher untervertreten. Zwichen Bern/Biel und Zürich/Kloten gibt es ausser den SC Lagenthal kein ernstzunehmender Eishockey-Verein. Es wird also endlich Zeit, kommt mal eine frische Mannschaft „rauf“ – wer nämlich schon mal in der Valascia beim Zuschauen gefroren hat, wird einem Klimawechsel sicher mit Freude entgegen sehen.

Bevor das erste Spiel der Ligaqualifikatonn stattfindet (3. April, 19.45 Uhr, in der Valascia), wird erst mal tüchtig gefeiert. Am Samstag geht es um 14.45 Uhr auf dem Wuhrplatz in Langenthal los – dabei wird Gross und Klein ein abwechslungsreiches Programm geboten, ehe um 22 Uhr der „Meisterchübel“ präsentiert wird. Von meiner Seite erst mal: herzliche Gratulation dem SC Langenthal, zum Gewinn der Meisterschaft!

Frust

Forscher haben berechnet, dass Frust etwa vor 600 Millionen Jahren entstanden ist. Und zwar bei dem Einzeller, der statt auf dem Lavastein in eine Kloake geplumpst ist und erst eine 230 Millionen Jahre lange Evolution hinter sich bringen musste, ehe er ein Fisch und später ein Affe geworden ist, von denen wir bekanntlich alle abstammen. Frust ist demnach genetisch in jedem von uns verankert.

Auftreten, Ausbreitung, Verfügbarkeit
Überall ist er zu finden. Im Verlauf der letzten beiden Spiele des Lieblingsvereins gegen die beiden Tabellenletzten. Beim Arbeiten, wenn man nach dem ersten Anfall von Müdigkeit trotzdem noch 7 Stunden und 59 Minuten bleiben muss. Beim Marathon-Laufen, wenn diese 7 Stunden 59 Minuten nirgendwo hin reichen. Und ganz besonders: In der Brieftasche. Und zwar nicht erst, wenn Ende Geld noch viel Monat übrig ist, sondern eigentlich immer.
Frust steht jederzeit zur Verfügung. Hat man mal zu wenig, steht ganz sicher einer da, der einem zu Frust verhilft. Etwa der Briefträger, wenn nicht Du ihm, sondern er Dir die Wohnungstür auf macht. Von innen. Oder in der Strassenbahn, wenn dich ein Hinweisschild vor deiner Nase darauf hinweist, dass diese Strassenbahnen mit einer Zufriedenheitsquote von 99% sauber gehalten werden und der einzige klebengebliebene Kaugummi unter deinem Allerwertesten ausgerechnet dich zur Randgruppe macht. Oder die Telefonistin vom brandneuen Life-Style-Magazin, die ausgerechnet dich als möglichen Sieger eines Porsches gezogen haben will, aber Mist, so ein Pech, den hast du jetzt doch nicht gewonnen. Dafür kannst Du jetzt ein Jahresabo haben für nur 299 Franken statt 499, inklusive – nein, nicht nur einer neuen Matratze, sondern zwei Wolldecken und einem 24teiligen Messerset gratis dazu!

Wann sollte man Frust nicht einnehmen?
Frust verträgt sich sehr schlecht mit anderen Medikamenten, mit guter Laune, Sex, praktisch allen Arbeitssituationen, Freizeitbeschäftigungen, Hausbesichtigungen, Schwiegermüttern und Ferienfahrten von über 10 Kilometern zu Sechst in einem dem Anlass nicht entsprechenden Fiat Uno. Vorsicht ist geboten, wenn Frust in Verbindung mit anderen Zuständen wie Betrunkensein oder Frau-Mit-Dem-Briefträger-Erwischt-Haben genossen wird. Nicht empfehlenswert ist es bei Frust ein Lächeln aufzusetzen, irgendwie merkt man das einem an und man wird nicht mehr für voll genommen, was im Grunde auch stimmt, aber das will ja niemand zugeben, weil sonst steigert sich der Frustfaktor im Quadrat zum siegreichen Grinsen des Gegenübers, der diese Feststellung gemacht hat und sich wahrscheinlich wie jeder andere der hier jetzt am Lesen ist fragt, wie es sein kann einen so langen Satz zu schreiben, ohne einen Fehler zu machen, ja hat der Typ denn Germanistik studiert, oder was?

Diesen Artikel habe ich für Stupidedia geschrieben. Den ganzen Artikel findest Du hier.

Neulich im Coop

Witz des Tages, gehört an der Coop-Kasse. Kundin: „Was ist das?“ Kassiererin: „Ein Los“. Kundin: „Warum müssen Sie das Los einscannen, kostet es was?“ Kassiererin: „Nein, sie können 1 Million gewinnen“ – Kundin: „und jetzt werde ich registriert?“ – Kassiererin: „Neeein-Neein, das ist nur für so“